22. Mai 2019

Zeit, für Fondsmanager eine Lanze zu brechen

HANKES MEINUNG | Anleger haben es an der Börse nicht einfach. Da geht es Fondsmanagern kaum besser − im Gegenteil. Ein Gedankenspiel im Spannungsfeld zwischen Privatanleger, Fondsmanager und Social Trader.

ulrich-w-hanke-boersianerinfo Stellen Sie sich einmal vor, Sie wären Fondsmanager. Ihr Aktienfonds wäre, sagen wir mal 500 Millionen Euro schwer. Mit welchen Problemen hätte Sie nicht alles zu kämpfen… Da ist erst einmal die Benchmark, der Vergleichsindex. Den müssen Sie schlagen, sonst macht Ihr Job gar keinen Sinn. Dann bemisst sich vielleicht noch der flexible Teil Ihres Gehaltes daran, ob Sie den Index übertreffen. Und schon ist dies Ihr einziges Ziel. Der Kampf geht aber noch viel weiter.

Sie jonglieren jetzt nicht mit 1.000 oder 10.000, sondern 100.000 oder 1.000.000 Euro. Macht die Aktie von Apple drei Prozent Ihres Fondsvolumens aus – und gehen wir mal davon aus, Sie wären zu 100 Prozent investiert – ja dann, dann hätten Sie Apple-Aktien für 1.500.000 Euro im Depot. Bei solchen Größenordnungen ist der Kauf oder Verkauf natürlich auf mehrere Tranchen und mehrere Tage zu verteilen. Und machen Sie sich bloß nicht zu viele Gedanken, über die Summe, die Sie, auch als Fondsmanager, eigentlich nicht begreifen können.



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Haben Sie die Perspektive erfolgreich gewechselt? Ja? Okay, weiter geht’s. Nun geben Ihnen gewisse Spielregeln vor, Sie dürften nur zehn Prozent in eine Aktie anlegen, Sie müssten immer 50 Prozent des Fondsvermögens investiert haben und Ähnliches. Kleinere Aktien fallen da mit einem Fondsvolumen von 500 Millionen Euro schnell weg, würden Sie sonst unter Umständen gleich das halbe Unternehmen besitzen. Völlig aus dem Markt aussteigen und kurze Zeit mal nur Cash halten, fällt weg. Irgendeine Strategie verfolgen, die vorher nicht festgelegt wurde, fällt weg. Was hilft sind die eigene Researchabteilung und Bloomberg. Das haben aber alle Profis.

Sie sehen an unserem Gedankenspiel, das Leben als Fondsmanager ist gar nicht so einfach. Wie unkompliziert ist es da als Social-Trader. Keine Ausbildung, kein Nachweis über Know-how, kein langjähriger Trackrecord nötig und wenn’s mal schiefgeht, dann eröffnet man einfach ein neues Musterdepot – entweder unter dem alten Nicknamen oder eben einfach unter einem anderen Namen. Irgendwann wird es dann schon klappen, eine phänomenale Performance zu erzielen. Mein Tipp: Betrachten Sie Social-Trading mindestens genauso kritisch wie Investmentfonds – und scheren Sie nicht alle Fondsmanager über einen Kamm. Es gibt gute! Ob nun mit oder ohne Fonds, ich wünsche viel Erfolg an der Börse. Ihr

Ulrich W. Hanke


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Foto: red

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