16. Dezember 2018

»Wir haben den Boden bei Gold gesehen«



INTERVIEW | Das Gold-Modell von Florian Grummes lässt Investoren im Edelmetall-Sektor wieder hoffen. Seit kurzem stehen die meisten Signale auf grün, verriet Grummes Chefredakteur Ulrich W. Hanke im Gespräch…

Ulrich W. Hanke: Herr Grummes, Sie haben ein Modell zur Entwicklung des Goldpreises entwickelt. Kurz skizziert, wie sind Sie darauf gekommen und wie setzt sich dieses zusammen?
Florian Grummes: Ich verfolge den Goldmarkt nunmehr seit 14 Jahren intensiv. Das Modell ist das Ergebnis meiner Arbeit. Es handelt sich um einen holistischen, also ganzheitlichen Ansatz. Ziel ist es, den Goldmarkt aus möglichst vielen Perspektiven unabhängig voneinander und vor allem rational zu analysieren und aus den Ergebnissen ein einfaches, kurz- bis mittelfristiges Signal abzuleiten. Obwohl dem Modell sehr viele Daten zugrunde liegen, gelingt es, eine umfangreiche Analyse kompakt und übersichtlich zu erstellen und zusammenzufassen.

Was heißt das konkret?
Die unterschiedlichen Bausteine reichen von klassischen Trendfolgeindikatoren auf dem Monats-, Wochen- und Tageschart über hochinteressante Ratios wie das Gold/Silber-Ratio bis hin zu antizyklischen Signalen wie den CoT-Daten und dem Sentiment. Die Entwicklung der Minenaktien sowie des US-Dollars also auch die Realzinsen in den USA spielen ebenfalls eine Rolle. Zudem sind die immer wichtiger werdenden Goldmärkte in Indien und China beinhaltet.

Sind alle Signale gleichgewichtet?
Mehr oder weniger ja, wobei ich nun nicht alle Geheimnisse preisgeben möchte. Es gibt beispielsweise charttechnische Extremsituationen, die stärker gewichtet werden. Aber keine Sorge, ich koche auch nur mit Wasser.

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Haben Sie unter den Signalen Lieblinge?
Der erste Baustein ist bereits ein Klassiker! Das Verkaufssignal auf dem Monatschart ist seit Dezember 2011 bis heute gültig! Dennoch haben sich zahlreiche Anleger und Trader hier mit ihrem verbissenen Long-only-Ansatz in den vergangenen vier Jahren eine blutige Nase geholt. Erst mit einem Anstieg über 1.191 Dollar dreht dieser Baustein auf bullisch. Sehr wichtig ist auch das Gold/Silber-Ratio, welches seit einem Jahr seitwärts läuft. Erst wenn hier ein neuer Trend zugunsten des Silberpreises etabliert ist (unterhalb von 70), wird der Sektor eine nachhaltige Aufwärtsbewegung starten können. Ein wachsames Auge habe ich zudem auf den Trendfolgeindikator Goldpreis in chinesischen Yuan, da er häufig vor allen anderen Signalen dreht.

Die Charttechnik, die durchaus umstritten ist, dominiert Ihr System. Sie betrachten aber auch andere, fundamentale Faktoren und sogar Stimmungen am Markt. Entweder man ist Charttechniker oder Anhänger der fundamentalen Analyse…
Hauptsache man ist erfolgreich. Wobei man sich natürlich schon klar machen muss, dass wir im digitalen 21. Jahrhundert leben, sich der Planet daher gefühlt immer schneller dreht und die ganze Welt Charts anschaut und handelt. Der Goldpreis wird, ob man das nun gut findet oder nicht, nach wie vor am Terminmarkt in New York gemacht. Wer nur auf fundamentale Daten zum Goldpreis in den vergangenen vier Jahren geschaut hat, lag non-stop daneben.



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Wie ist die Treffersicherheit Ihres Modells in der Vergangenheit gewesen?
Seit der Veröffentlichung Anfang 2015 gab es nur Mitte März ein dreiwöchiges Kaufsignal. Ansonsten schwankte das Model zwischen neutralem oder bärischem Ergebnis und konnte so den Preisverlauf recht gut vorhersagen. Am 12. August gab es dann ein neues zweiwöchiges Kaufsignal gefolgt von einem neutralen Signal. Seit dem 24. September ist es bullisch. Das Modell hat bisher also sehr genaue Signale geliefert.

Und was zeigt Ihr Modell gerade an?
Das Modell ist wie gesagt seit etwas über zwei Wochen bullisch und hat zuletzt an Trendstärke zugelegt. Das heißt. kurz- bis mittelfristig ist die Prognose aktuell bullisch, während im großen Bild erst Kurse oberhalb von 1.191 Dollar den langfristigen Baustein drehen würden. Allerdings liefert das Modell in der Summe betrachtet keine langfristigen Signale. Bausteine wie das Dow Jones/Gold-Ratio verfolge ich aber zum Beispiel nur auf Monatsbasis um das Marktrauschen auszublenden. Wenn sich Gold übergeordnet in einem Aufwärtstrend gegen den US-Aktienmarkt befindet, ist das auch für die kurz- bis mittelfristige Kursentwicklung günstig.

Was muss sich ändern, damit der Goldpreis steigt?
Wie schon erwähnt, wäre ein Kaufsignal auf dem Monatschart hilfreich. Davon sind wir noch ein Stück entfernt. Grundsätzlich wäre es wichtig, dass sich am Goldmarkt wieder eine Buy-the-dips-Mentalität entwickelt. Ich sehe erste Anzeichen dafür. Außerdem muss der Goldpreis an einer Wall of worry nach oben klettern. Auch das ist mittlerweile gegeben. Ich bin daher zunehmend zuversichtlich, dass wir den Boden diesen Sommer gesehen haben. Bestätigt ist es aber noch nicht.

Wir beobachten das weiter. Danke für das Gespräch.

florian-grummes-midas-touch Florian Grummes ist Eigentümer von Midas Touch Consulting und widmet sich seit 1996 intensiv den Finanzmärkten. 2002 spezialisierte er sich auf den Edelmetallsektor. Neben seinen zweiwöchigen Gold- und Silberanalysen für den Goldhändler Pro Aurum veröffentlicht er auch ein englisches Update zu seinem Gold-Modell.


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Foto: Midas Touch Consulting (2)

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