23. September 2020

Wahre Wachstumswerte

GROWTH | Aktien von Unternehmen, die stark wachsen, sind Anleger häufig mehr wert und an der Börse höher bewertet. Welche Kurse gerechtfertigt sind, welche nicht. Nasdaq 100 und TecDax im kurzen Check.

49-growth Namen wie Alphabet, besser als Google bekannt, Apple, Amazon und Facebook finden sich in nahezu jedem Growth-Depot. Allesamt Unternehmen, deren Umsatz und Gewinn von Quartal zu Quartal und von Jahr zu Jahr stetig und oft auch stark steigt. Growth-Investoren sind diese Wachstumsperspektiven eines Unternehmens wichtiger, als ein niedriger Aktienkurs. Value-Investoren sind vor allem an Schnäppchen interessiert. Für einen der größten Value-Anleger der Welt, Warren Buffett, sind sich die Anlagestile ähnlich als allgemein angenommen und schließlich sich keineswegs aus. Wer sich laut Buffett auf einen der beiden Anlagestile festlegt, der beweise damit seine Unsicherheit und nicht seine Raffinesse, schrieb Buffett einmal in einem Brief an die Aktionäre seiner Investmentholding Berkshire Hathaway.



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Unternehmen die stark wachsen, haben oft eine einzigartige Marktstellung, vielleicht ein Monopol, auf jeden Fall eine starke Marke und unter Umständen einen technischen Vorsprung. Aktien solcher Unternehmen sind in der Regel natürlich keine Schnäppchen mehr. Das wären sie nur, wenn man ein solches Unternehmen in einer ganz frühen Phase bereits als nächsten Weltmarktführer ausmacht. Das bleibt in jedem Investorenleben die Ausnahme. Es gilt also den Begriff Schnäppchen anders zu definieren. Wir suchen Schnäppchen, die sich als solche im Verhältnis zu ihrem künftigen Umsatz und Gewinn entpuppen.

49-nasdaq-peg Gerade hat Alphabet die Kultmarke Apple vom ersten Platz der teuersten Unternehmen an der Börse verdrängt. Am vergangenen Dienstag löste die Google-Mutter den iPhone-Hersteller nach Vorlage aktueller Quartalszahlen ab. Am Mittwoch war dann wieder Apple vorn. Beide Unternehmen sind mehr 500 Milliarden Dollar an der Börse wert. Bei Apple sind es vor allem Sorgen um das langsame Wachstum beim iPhone, die den Kurs seit Monaten drücken. Während Alphabet im vierten Quartal 21,3 Milliarden Dollar Umsatz erzielte – ein Plus von knapp 18 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Vergleicht man die beiden Aktien nun anhand einer einzigen Kennzahl, dem PEG, ist Apple die bessere Wahl. Das PEG (für Price-Earning to Growth-Ratio, Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnis) wird auch als dynamisches Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bezeichnet. Es setzt das KGV ins Verhältnis zum erwarteten Gewinnwachstum. Ein Wert von unter 1,0 gilt allgemein als gut und deutet auf eine Unterbewertung hin. Werte bis 1,8 halten wir für akzeptabel.

Aus dem Nasdaq 100 weisen immerhin 27 Aktien ein PEG von unter 1,0 auf. Apple und Alphabet sind nicht darunter. Im deutschen TecDax sind sechs der 30 Aktien nach der Kennzahl unterbewertet. Bei anderen, langsam wachsenden Unternehmen verliert die Zahl erheblich an Aussagekraft, wächst ein Unternehmen gar nicht, kann das PEG nicht berechnet werden. Auch für konjunktursensitive Titel kommt die Kennzahl nicht infrage. Wer sind auf das Wachstum konzentriert, kann aber noch andere Daten heranziehen. Das Gewinnwachstum an sich, die Gewinnmarge oder auch die Eigenkapitalrendite können Anlegern ebenfalls weiterhelfen. Das Soziale Netzwerk Facebook zum Beispiel hat seinen Umsatz gerade verdoppelt. Grund ist mobile Werbung, die für Facebook zur Goldgrube wird. Im vergangenen Quartal kletterte der Umsatz im Jahresvergleich um fast 52 Prozent auf 5,84 Milliarden Dollar. Den Gewinn konnte Facebook mit 1,56 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln. Der Aktienkurs zog ordentlich an. Wachstumsunternehmen können jedoch auch riskante Investments sein, wie Facebook- und Xing-Konkurrent LinkedIn gerade beweist. Für das erste Quartal erwartet LinkedIn Einnahmen in Höhe von 820 Milliarden Dollar (Gesamtjahr: 3,60 bis 3,65 Milliarden Dollar). Das war Anlegern zu wenig, die Aktie verlor zeitweise 30 Prozent an Wert.

49-tecdax-peg Wir haben etwas vermeintlich langweiligere Aktien aus dem Nasdaq 100 ausgemacht, die wir als attraktiv einstufen. Es ließe sich bei einigen darüber streiten, ob sie überhaupt Wachstumswerte sind. Im einzelnen sind das: Mattel, Maxim, Intel, Intuit, Amgen und KLA-Tenor. Der Spielzeughersteller Mattel könnte demnächst mit Konkurrent Hasbro fusionieren. Maxim Integrated Products stellt integrierte Schaltungen her und glänzt mit einer ordentlichen Dividendenrendite. Intel blieb zuletzt hinter den Erwartungen zurück und verlor vor allem im traditionellen Geschäft mit Prozessoren für PCs. Künftig will man sich mehr auf Halbleitertechnik konzentrieren, die eine Vernetzung mehrere Geräte im Haushalt möglich macht (Stichwort: Internet der Dinge). Software-Hersteller Intuit ist ein volatiler Wert, während Biotech-Titel Amgen mit neuen Therapien punkten kann.

Im TecDax sind unsere Favoriten Software-Spezialist GFT, Cloud-Experte Cancom und Internet-Provider United Internet. Deren Aktien haben ein PEG von rund 1,3 bis 1,4.


Zur boersianer.info-Ausgabe #49 geht’s hier:
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Foto: red

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