HANKES BÖRSENBRIEF – ANLEGEN WIE DIE BÖRSENSTARS

7 Fragen an Robert Halver

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FRAGEBOGEN | Erfahren Sie mehr über die Macher in der Finanzbranche. Was Promis und Experten über die Geldanlage denken, welche Erfahrungen sie gemacht haben…

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Robert Halver leitet die Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Mit Wertpapieranalyse und Anlagestrategien beschäftigt er sich seit 1990. Er ist durch regelmäßige Medienauftritte im Fernsehen, auf Fachveranstaltungen sowie durch Publikationen und als Kolumnist bekannt. Sein Markenzeichen, der rheinische Humor und die unterhaltsame, bildhafte Sprache, kommen bei keinem seiner Auftritte zu kurz.




1)Œ Bei welcher Anlage hatten Sie das beste Händchen?
Neben deutschen Aktien liegen mir US-Aktien. Kein anderer Aktienmarkt ist so transparent. Ein besonderes Augenmerk liegt auf Penny Stocks. Hochinteressant sind aber auch Spekulationen bei Euro-US-Dollar.

2) Welches war Ihr schlechtestes Investment?
Unmittelbar vor der Katastrophe im japanischen Fukushima habe ich deutsche Versorger gekauft. Jeder hat ab und zu Leichen im Keller.

3)Ž Wer ist Ihr Vorbild?
Mein Vorbild ist mein Großvater. Als Landwirt war er bodenständig und hat immer die Fahnen des Sachkapitals hochgehalten. Nach seinen Erfahrungen von zwei Geldentwertungen sprach er immer davon, dass Vermögen nur das sein kann, was man entweder essen oder anfassen kann. Diese sachkapitalistische Betrachtungsweise hat sich bei mir im Kopf eingebrannt. Neben Immobilien und Edelmetallen stehe ich auf Aktien. Viele deutsche Aktien haben zwei Weltkriege überlebt. Und sie werden auch weitere überleben.

4) Welches ist Ihr Lieblings-Wirtschaftsbuch?
Ich mag die Lektüre von meinen Anlagehelden wie Warren Buffett, die sich bei ihren Investmententscheidungen nicht auf das Bauchgefühl oder die Marktentwicklung verlassen, sondern auf die fundamentale Substanz achten. Denn die hat sich am Ende immer durchgesetzt.

5) Was würden Sie Anlegern raten?
Anleger sollten dem Aktienmarkt treu bleiben. Die Zinsmärkte sind aufgrund der Renditedrückung der Notenbanken nur eine Anlagealternative für Zins-Asketen. Die Situation mickriger Zinsen wird sich auf absehbare Zeit – wenn überhaupt – nicht ändern. Denn höhere Renditen für Staatspapiere brächen der Eurozone das Genick. Die Notenbanken sind dazu gezwungen, die Lufthoheit über den Börsen-Stammtischen zu behalten. Die Stimmung darf nicht kippen. Denn fallen Aktienkurse nachhaltig, dann fällt früher oder später auch die Konsum- und Investitionslaune.

Zinsen sind nach Inflation de facto nicht mehr vorhanden. Die Geldpolitik hat uns die hohen Zinsen ähnlich gestohlen wie der Fuchs die Gans in einem bekannten Kinderlied. Ich erinnere mich, dass es nach dem Zusammenbruch der neuen Markt- und Immobilienblase für deutsche Staatspapiere durchschnittlich etwa fünf Prozent Rendite gab. Das war eine prima Ersatzbefriedigung zu Aktien. Alternativ steigende Anleiherenditen verhinderten damals, dass der Dax nachhaltig über 8.000 Punkte steigen konnte. Diese Fluchttür hin zu ordentlichen Zinsen ist heute verschlossen und den Schlüssel haben die Notenbanken weggeworfen. Die Liquiditätshausse wird im Vergleich zu früher erstens nicht gestoppt. Und zweitens wird sie über billiges Kreditgeld die fundamentalen Kräfte stärken, also auch eine Konjunkturhausse nach sich ziehen. Ich glaube, dass die Aktien im Trend – wenn auch unter Schwankungen – weiter steigen werden. Im Übrigen kann man seine Aktienbestände mit Teilschutzzertifikaten, die aufgrund der dramatisch gestiegenen Kursschwankungen günstige Konditionen bieten, gut absichern.

Obwohl aufgrund der anhaltenden Zinsschwäche der Weltspartag längst zum Volkstrauertag geworden ist, kann man den Anlegern eine Ersatzbefriedigung ans Herz legen. Die Dividendenrenditen vieler Aktien liegen heutzutage sehr deutlich oberhalb der Renditen von Staatspapieren, Festgeld oder Sparbuch. So haben die Dividendenrenditen die Renditen im Zinsvermögen abgehängt wie der Computer den Abakus. Die Anleger sollten daher fremdgehen. Sie sollten den früheren Zinseszinseffekt durch den Dividendendividendeneffekt ersetzen: Die Wiederanlage der Ausschüttung ersetzt die Wiederanlage des Zinses. Nicht zuletzt wirken dividendenstarke Titel als Risikopuffer gegen Kursverluste.

Vor diesem Hintergrund insgesamt bin ich ein großer Anhänger regelmäßiger Aktienansparpläne zum Beispiel in Fonds oder ETFs. Sparpläne sind ebenso banal wie genial. Denn sie haben die Kraft der zwei Herzen: Geht es nach oben, ist man ohnehin reicher. Geht es nach unten, bekomme ich für meinen gleichen Geld-Anteil mehr Aktienanteil. Längerfristig kann man so in punkto Altersvorsorge nicht verhindern, reicher zu werden.

‘6) Wo stehen der Dax und der Euro in einem Jahr?
Ein Dax Ende des Jahres weit über 11.000 Punkten ist zu erwarten. Der Euro wird dann zum Dollar etwa bei 1,07 stehen.

’7) Was machen Sie, wenn Sie sich nicht mit der Geldanlage beschäftigen?
Ich reise gerne, betreibe mittlerweile regelmäßig Sport und interessiere mich sehr für die neuzeitliche Geschichte.

Foto: Baader Bank

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