12. Mai 2021

Bank J. Safra Sarasin: Schwächeres China bewegt die Währungen

PRESSEMITTEILUNG | Finanzmarktkolumne: Schwächeres China bewegt die Währungen.

Von Ursina Kubli, Ökonomin, Bank J. Safra Sarasin AG

Eine weitere Abwertung des Renminbi gegenüber dem US-Dollar ist sehr wahrscheinlich und wird auch in anderen Währungsräumen hohe Wellen schlagen. Der australische und neuseeländische Dollar bleiben anfällig, während die relative Geldpolitik auch im Jahr 2016 ein Argument ist, den US-Dollar gegenüber dem Euro und Yen zu bevorzugen.



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Die erhoffte Stabilisierung der chinesischen Konjunktur zeigt sich trotz geldpolitischer Unterstützung der Zentralbank (PBoC) nicht so richtig ab, wie der erneute Rückschlag des chinesischen Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe zeigt. Der robuste Einkaufsmanagerindex im Dienstleistungsbereich relativiert diese Schwäche allerdings und zeigt, dass die chinesische Regierung fähig sein dürfte, eine harte Landung zu verhindern. Dennoch wird das Jahr 2016 von wiederkehrenden Sorgen bezüglich des chinesischen Wachstums geprägt sein. Der Balanceakt der chinesischen Behörden, Reformen beharrlich voranzutreiben und gleichzeitig das mittelfristige Wachstumsziel von 6,5% zu erreichen, scheint schier unmöglich. Die daraus entstehenden Unsicherheiten schwächen die Nachfrage nach der chinesischen Valuta. Der Renminbi ist gegenüber dem US-Dollar zu Jahresbeginn auf ein erneutes Rekordtief gefallen. Ohne Zutun der PBoC wäre die Abwertung noch stärker ausgefallen. Der Renminbi bleibt auch in Zukunft in den Händen der PBoC. Diese hat klar signalisiert, ihre Währungspolitik auf den handelsgewichteten Wechselkurs zu fokussieren. Der Aufwärtstrend des USD-CNY wird sich somit im 2016 fortsetzen, damit der stärkere Dollar nicht zu einer Aufwertung des handelsgewichteten Renminbi führt.

Die Konjunktursorgen in China und die währungspolitische Kurswende werden auch in anderen Währungsgebieten hohe Wellen schlagen. Der wichtigste Transmissionskanal sind die Exporte in das Reich der Mitte. Bei den Hauptwährungen bestehen die engsten Handelsbeziehungen in den Antipoden. In Australien und Neuseeland betragen die Exporte 6 bzw. 4% vom BIP. Ein schwächeres Wachstum in China und ein höherer USD-CNY-Wechselkurs wirken sich hier besonders negativ aus. Zudem haben sich diese Länder in der Vergangenheit zu sehr auf die Wachstumslokomotive China und den Rohstoffboom verlassen. Die eigene Industrie ist geschrumpft und bietet wenig Potenzial. Hohe Auslandsschulden trüben den mittelfristigen Ausblick dieser Währungen zusätzlich, sodass wir weiterhin zur Vorsicht raten.

In Japan dürften Chinasorgen und eine Abwertung des Renminbi zu geldpolitischen Lockerungen der BoJ führen, da Shinzo Abe große Mühe hat, das für 2017 anvisierte Inflationsziel von 2% zu erreichen. Eine schwächere Währung erhöht die importierte Inflation und hebt die Inflationserwartungen an. Auch der EZB dürfte eine schwächere Währung Recht sein. Sie wird daher ihr Anleihenankaufprogramm fortsetzen. Dies steht in starkem Kontrast zur US-Geldpolitik, welche Ende letzten Jahres den Zinserhöhungszyklus begonnen hat. Die relative Geldpolitik ist damit auch im Jahr 2016 ein Argument, den US-Dollar gegenüber Euro und Yen zu bevorzugen.

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