20. September 2021

»Öl-Aktien glattstellen!«



GASTKOMMENTAR | Der Kurs-Einbruch der Ölmultis ist nicht vorbei, der Sturzflug beginnt erst noch, ist unser Gastkommentator, der Ölexperte Otto Wiesmann sicher…

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Von Otto Wiesmann

Meiden Sie vor allem ConocoPhillips, Statoil, Petrobras, BP, Royal Dutch und Chevron. Chevron zum Beispiel erzielte im zweiten Quartal 2015 ein Ergebnis von 571 Millionen US-Dollar – fast 90 Prozent weniger als im zweiten Quartal 2014 (5,7 Milliarden Dollar). Und das Ergebnis ist nur deshalb positiv ausgefallen, weil Chevron Vermögenswerte in Höhe von 1,8 Milliarden Dollar veräußert hat. Aber Hauptsache Chevron hat eine Superdividende gezahlt?

otto-wiesmann-oelexperte Die Ölpreise fallen und fallen und fallen, ein Ende ist noch nicht in Sicht. Dafür gibt es viele Gründe. Der Hauptgrund ist auf der Ölangebotsseite: die Ölschieferrevolution in den USA. Es ist die Kombination von Fracking und horizontalem Bohren die die Ergiebigkeit der Schieferölfelder so massiv steigert Jahr für Jahr. Als Deutscher und damit Angehöriger der Nation, die weltweit die meiste Braunkohle verbrennt, verbietet es mir zur Umweltgefährdung von Fracking einen Kommentar abzuliefern. Es ist auch kein Wunder, dass sich die reine Ölförderung in den USA seit 2008 verdoppelt hat. Dies ist der Förderung von Schieferöl zu verdanken. Obwohl die US-Öl-Bohranlagen laut Baker Hughes innerhalb eines Jahres von 1.589 auf aktuell 672 vermindert haben, hat sich die reine Ölförderung um eine Millionen Barrel auf rund 9,5 Millionen Barrel pro Tag (Juli 2015) erhöht.

Die Ölkonzerne die nicht, oder zu wenig im Schieferöl investiert sind, haben fast alle eine fallende Ölproduktion und das bereits seit Jahren. Neue unberührte Schieferölfelder fördern, mit neuester Technik, bereits nach Erschließung des Ölfeldes, im ersten Jahr 50 bis 70 Prozent des förderbaren Ölvorkommens. Die großen Ölmultis sind so gut wie nicht an diesen Ölvorkommen beteiligt. Sie setzen immer noch auf konventionelle, fast leergepumpte, alte Ölfelder mit sehr hohen Förderkosten – wie etwa Tiefseebohrungen in der Nordsee.

Die Ölpreise fallen, die Ergiebigkeit der alten Ölfelder nimmt ab, es werden keine Investitionen in neu zu erschließende Schieferölfelder getätigt, die Umsatzerlöse fallen (besonders im dritten Quartal 2015), die Schulden steigen, die Abschreibungen auf bestehende Ölfelder steigen, es werden überhöhte Dividenden ausgezahlt, warum sollen dann die Kurse dieser Ölkonzerne steigen?

Schauen Sie sich die Bilanzen der Ölkonzerne genau an, bevor Sie in Ölaktien investieren. Ich meine dabei nicht KGV, Ebit oder Ebitda, nein die Schulden, den Rohertrag, die Zinsen, die Kosten, die Umsatzerlöse, die Veräußerung von Vermögenswerten.
Sollte der Ölpreis im nächsten Jahr (erhöhte Ölnachfrage) seinen Boden gefunden haben und wieder steigen, dann sollten Sie Schieferölaktien kaufen. Aber nur Schieferölaktien mit geringen Kosten, dem neuesten Know-how bei der Ölförderung, die im Besitz von Schürfrechten für große neue Ölfelder und gering verschuldet sind. Bis dahin verdiene ich Geld mit Putoptionen auf Ölaktien.

Otto Wiesmann ist seit 1990 geprüfter Finanzberater, anerkannter Ölexperte und Autor des Buches Chance Peak Oil. (Wiesmanns Äußerungen dienen nur der Information und sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Sie müssen auch nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.)


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Foto: Archiv/red, Otto Wiesmann

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