22. Oktober 2020

Märkte erwarten Fed-Leitzinserhöhung

ROHSTOFFE | Wie die Rohstoff-Experten der LBBW den Markt einschätzen. Das Commoditiy-Research zum Bloomberg Commodity Index, Goldpreis und der Sitzung der US-Notenbank im Dezember.

Von Dr. Frank Schallenberger und Thorsten Proettel/LBBW

Mit dem jüngsten Preisrutsch haben die Rohstoffe seit Jahresbeginn durchschnittlich um mehr als 15 Prozent nachgegeben. Seit Mitte 2011 ging es – gemessen am Bloomberg Commodity Index (Spot) – um rund 45 Prozent nach unten. Heizöl ist alleine in diesem Jahr bereits um 25 Prozent gefallen, Palladium um 30 Prozent und Nickel um 40 Prozent. Bei den meisten Minenunternehmen engen sich die finanziellen Spielräume stark ein (jüngstes Beispiel: Lonmin), die Investitionen werden weiter gekürzt und in vielen Fällen ist die Förderung aufgrund des niedrigen Preisniveaus nicht mehr profitabel (bei Nickel vermutlich bei mehr als der Hälfte der Produzenten). Dennoch wird auch die Nachfrage 2016 weiter anziehen. Damit sind Angebotsdefizite bereits in den nächsten Monaten programmiert. Besonders Basismetalle und weiße Edelmetalle verfügen vor diesem Hintergrund über Preissteigerungspotenzial.



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Das Auf und Ab des Goldpreises in den vergangenen Monaten ist in erster Linie den schwankenden Erwartungen über den zukünftigen Kurs der US-Geldpolitik geschuldet. Die Kernfrage lautet demnach, wann die erste Leitzinserhöhung der Federal Reserve seit 2006 kommt. In diesem Sommer wurde fest mit einer Zinserhöhung für den September 2015 gerechnet, woraufhin der Goldpreis seinen damaligen Jahrestiefstand erreichte. Als die Fed im September zögerte und die Zinswende auch aufgrund eingetrübter Konjunkturdaten in die ferne Zukunft zu rücken schien, folgte eine Erholungsrally des gelben Edelmetalls bis auf 1.190 US-Dollar Mitte Oktober. Der jüngste Einbruch stellt dagegen eine Wiederholung der Situation aus diesem Sommer dar: Nach entsprechenden Äußerungen von Mitgliedern des geldpolitischen Ausschusses der US-Notenbank und wieder besseren Konjunkturdaten wird an den Märkten überwiegend mit einen Zinsschritt auf der nächsten Fed-Sitzung am 16. Dezember gerechnet.

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Für die nächsten Monate rechnen wir mit einer robusten Nachfrage der physisch investierenden Privatanleger, der Notenbanken und der Käufer in China. Da die Goldförderung vermutlich schon 2015/16 ihren Zenit überschreiten wird, erwarten wir eine leichte Verteuerung des Goldpreises. Die anstehende Leitzinserhöhung in den USA dürfte zwar weiterhin Druck auf den Goldpreis ausüben. Wir rechnen aber mit einem Ende dieser eher psychologischen Bürde, nachdem der absolut betrachtet kaum nennenswerte Zinsschritt vollzogen wurde.

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Foto: red

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