19. Mai 2019

Keine Angst (mehr) vor Verlusten

HANKES MEINUNG | Wer Kursrückgänge begrenzt und sich seiner Emotionen und Gedankengänge klar wird, der und nur der kann an der Börse erfolgreich sein. Beginnen Sie damit, sich nicht mehr mit anderen zu vergleichen!

ulrich-w-hanke-boersianerinfo Beim Umgang mit Verlusten trennt sich die Spreu der Anleger vom Weizen. Zugegeben, es ist die wohl die schwierigste Übung am Finanzmarkt: Verluste begrenzen. Gewinne laufen lassen fällt da schon leichter. Richtig fies wird es, wenn uns Gewinne wie Verluste vorkommen. Das passiert nämlich dann, wenn wir uns mit unseren Freunden und Bekannten vergleichen. Und wer macht das im Zeitalter von Social Media und Social Trading nicht?

Mein Auto, mein Haus, meine Yacht… Dieses Prestigedenken schleicht sich bei uns ein, ob wir wollen oder nicht. Ein ganzer Wissenschaftszweig der Behavioral Finance beschäftigt sich damit. Kennen Sie das Beispiel mit der Gehaltserhöhung? Stellen Sie sich vor, Ihr Chef würde Ihnen 25 Prozent mehr Gehalt anbieten, Ihrem Kollegen, der die gleiche Position innehat, bei Annahme dieser Erhöhung jedoch 50 Prozent mehr zahlen. Die Mehrheit von uns würde in so einem Fall auf eine Gehalterhöhung verzichten. Es fühlt sich komisch an. Dabei wären 25 Prozent mehr Gehalt an sich eine tolle Sache. So ähnlich ist es an der Börse. Gewinn ist nicht gleich Gewinn. Oft nehmen wir den Gewinn nur als solchen wahr, wenn er größer ist als der Profit unserer Bekannten. Gewinnt der Freund, kann es sich für uns sogar wie ein eigener Verlust anfühlen. Und dann sind da noch die Äpfel und die Birnen…



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Je anfälliger wir für solche Gedankengänge sind, desto eher treffen wir Fehlentscheidungen. Da gehen wir unter Umständen ein höheres Risiko ein, als uns eigentlich lieb ist, nur um den Freund, Kollegen oder Bekannten in Sachen Rendite zu schlagen. Und nicht allzu oft geht das nach hinten los. Denn dazu kommt dann noch, dass wir uns selbst überschätzen. Was Glück war, interpretieren wir als Können. Wo Zufall im Spiel war, sehen wir System. Seine Emotionen im Griff zu haben, ist nicht einfach. Daran scheitern selbst viele, viele Profis. Diese fühlen sich oft wohler, wenn sie genau das machen, was ihre Kollegen tun. Liegt man dann falsch, ist es geteiltes Leid. Die Argumentation fällt zudem leichter. Am besten klammert man sich an den Vergleichsindex, die Benchmark… Aber so wird man natürlich nie erfolgreich an der Börse agieren können. Also: Begrenzen Sie Ihre Verluste – gerade jetzt – bei einem vorher festgelegten Stopp-Kurs. Bei 10, 15, 25 Prozent – ganz wie es zu Ihrem Naturell passt. Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich frei von allen psychologischen Hürden machen können und viel Erfolg an der Börse. Ihr

Ulrich W. Hanke


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Foto: red

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