16. Oktober 2021

Europäer nach wie vor günstiger



GASTKOMMENTAR | Fondsmanager Matthew Siddle erklärt, warum eine Werbeagentur, zwei Pharmakonzerne und die Softwareschmiede SAP zu seinen Favoriten gehören…

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Nach der Rally seit Jahresbeginn liegen die Kurs-Gewinn-Verhältnisse europäischer Aktien basierend auf künftigen Gewinnen mittlerweile über dem Niveau ihrer langjährigen Durchschnittswerte und die Kurs-Buchwert-Verhältnisse auf diesem Niveau. Aber verglichen mit US-Aktien und Unternehmensanleihen sind Aktien aus Europa nach wie vor günstig. Und Zykliker werden verglichen mit defensiven Aktien weiterhin auf günstigem Niveau gehandelt, obwohl die Gewinne ersterer kräftiger gestiegen sind.


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Insgesamt habe ich daher die stärker binnenwirtschaftlich orientierten defensiven Branchen unter- und die zyklischen Branchen übergewichtet. Innerhalb der zyklischen Konsumgüterbranche gewichte ich vor allem attraktiv bewertete Medientitel über. Besonders interessant finde ich Werbeagenturen wie Publicis mit soliden langfristigen Fundamentaldaten, die in den Schwellenländern und der Online-Werbung stark vertreten sind.

Übergewichtet habe ich auch die Gesundheitsbranche. Aufgestockt habe ich beispielsweise Roche und Smith & Nephew, einen Anbieter von Medizintechnik. Vorteilhaft war auch die Übergewichtung der Technologiebranche, in der ich das Engagement seit Jahresbeginn kontinuierlich erhöht habe. Dabei habe ich die günstigen Kursniveaus genutzt, um einen Bestand bei SAP aufzubauen. Seit Jahren erwirtschaftet der Softwareentwickler nicht nur starke Erträge, sondern erzielt auch ein über dem Markt liegendes Gewinnwachstum. Zweifel an der Fähigkeit des Softwarehauses, den Wettbewerb im wachsenden Cloud-Geschäft auf Abstand zu halten, haben den Kurs auf ein langjähriges Tief fallen lassen. Ich bin aber überzeugt, dass SAP, auch wenn es spät auf den Zug aufgesprungen ist, inzwischen über eine starke Cloud-Sparte verfügt. Parallel dazu baut es sein Kerngeschäft weiter aus.

Auch Energiewerte gewichte ich derzeit über, denn der Ölmarkt pendelt sich wieder ein. Dabei sind die Reservekapazitäten äußerst niedrig, während die Zahl der aktiven Förderanlagen und das Produktionswachstum in den USA rapide abnehmen. Zugleich erholt sich dank niedriger Preise die Nachfrage langsam wieder. Trotz Übergewichtung in der Energiebranche sind Rohstoffe als Ganzes in meinen Fonds schwächer vertreten als im Vergleichsindex, denn auf Eisenerz oder andere Metalle trifft das Argument der Wiederherstellung des Marktgleichgewichts nicht zu. Banken habe ich ebenfalls untergewichtet, den spanischen Bankenriesen Banco Santander beispielsweise habe ich gar nicht im Portfolio. Dies trifft auch auf Versorger- und Telekommunikationsaktien zu, denen immer noch strukturelle Probleme zu schaffen machen.

Matthew Siddle ist Manager des Fidelity European Growth Fund.

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