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Edelmetalle und Minenaktien: Goldige Aussichten?

MINENAKTIEN | Die Anzeichen mehren sich, dass der Goldpreis seinen Boden bei rund 1.100 US-Dollar je Feinunze gefunden hat. Welche Minenaktien jetzt wieder interessant werden könnten.

krugerrand-gold-muenze Ein Vortrag sticht beim Börsentag Hamburg heraus. Claus Isert, ein Banker im Ruhestand und Urgestein der hanseatischen Anlegermesse, spricht über die „Goldlüge“, so überschreibt der 66-Jährige seinen Vortrag. Anhand eines persönlichen Anlage-Misserfolgs verdeutlicht er, das nicht alles glänzt, wo Gold drauf steht. Ende der 1970-Jahre bekamen Isert und seine Frau Renate zur Hochzeit jeweils 16.000 DM geschenkt. Sie investierte in 10-jährige Bundesanleihen, er kaufte 17 Krugerrand-Goldmünzen. Sie hat heute rund 44.000 Euro zur Verfügung, er 17.000 Euro. Das sage doch schon alles, so Isert. Er kommt zu dem Schluss, Gold sei kein Metall, welches sich zur Geldanlage dient. Das heiße jedoch nicht, dass Anleger nicht mit Gold spekulieren sollten. Und dafür scheint vielleicht der richtige Moment gekommen zu sein.



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Allein im Oktober konnte der Goldpreis um 2,4 Prozent zulegen und zeitweise auch seinen Höchststand vom Juni übertreffen, bevor er wieder etwas an Schwung verlor und nun knapp unter 1.100 US-Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) abtauchte. „Es ist durchaus möglich, dass die anhaltenden Spekulationen um die US-Zinsanhebung und die jüngste Andeutung der US-Notenbank Fed diese schon im Dezember durchzuführen, eine psychologische Wirkung auf die Märkte hatte und zu dem Kursrückgang Ende Oktober führte“, sagt Martin Siegel, Edelmetallexperte und Geschäftsführer bei Stabilitas. „Langfristig ist Gold nach wie vor unterbewertet. Nach den Tiefstständen im Juli und August sehen wir aktuell eine Art Bodenbildung, wobei der endgültige Ausbruch nach oben noch auf sich warten lässt“, sagt Siegel. Zu diesem Schluss kam ja auch bereits das Modell von Florian Grummes (wir berichteten in Ausgabe #41), dass sich vor allem auf gleitende Durchschnittswerte und das Sentiment an den Goldmärkten stützt. Jener Stimmungsumschwung ist es auch, den es braucht, damit der Goldpreis wieder zulegen kann. Sowohl Mitte September, als auch Anfang Oktober ging es nicht weit unter die Marke von 1.100 Dollar – das lässt für jetzt hoffen.

Silber, der kleine Bruder von Gold legte im Oktober sogar um sieben Prozent zu und zeigte seinen gewohnten Hebel auf Gold, bevor er Anfang November schwächelte. Siegel erklärt sich das damit, dass die physische Nachfrage bei Silber durch eine Aussage des amerikanischen Trendforschers und Finanzanalysten Martin Armstrong zugenommen habe, der für Ende Oktober das Platzen einer Blase an den Rentenmärkten vorausgesagt hatte. „Dies hat in den USA zu einem Ansturm auf den physischen Silbermarkt geführt. Obwohl sich Armstrongs These nicht bewahrheitete, war der physische Markt in Nordamerika kurzzeitig leergekauft und nahm viel Silber aus Europa auf“, sagt Siegel. Mittlerweile sei der Markt jedoch wieder gut versorgt.

boersianer-info-43-071115-cover-headDer Platinpreis ist und bleibt dagegen ein Rätsel. Früher war er in etwa doppelt so hoch wie der Goldpreis, ist Platin doch auch wesentlich seltener auf der Erde vorhanden. Nach dem Ausverkauf aufgrund des VW-Abgasskandals hat sich der Platinpreis nun aber wieder gefangen. Das Industriemetall hat im Oktober zugelegt und nun wieder das Kursniveau von vor dem Skandal erreicht. „Die Platinaktien enttäuschen jedoch weiterhin. Die schwachen Quartalsergebnisse drücken auf den Kurs und bieten kaum Hoffnung auf eine schnelle Erholung“, sagt Siegel. Palladium gewann leicht, scheiterte jedoch zum Monatsende am Widerstand kurz vor der Marke von 700 Dollar (aktuell 622 Dollar).

Die Aktien der Minengesellschaften profitierten von der allgemeinen Erholung und konnten sogar teilweise mehr zulegen als ihre physischen Pendants. „Die Goldpreiserholung wurde von starken Anstiegen im Minensektor begleitet, bevor zum Monatsende jedoch ein deutlicher Rückschlag zu verzeichnen war“, sagt Siegel. Insgesamt blieben die Minenaktien aber klar im Plus. „Von einem deutlichen Hausse-Signal können wir aber noch nicht sprechen. Dafür waren die Verluste zum Monatsende doch etwas ernüchternd“, sagt Siegel.

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Bei den Basismetalle fehlen nach wie vor neue Impulse aus der Industrie, damit eine nachhaltige Erholung starten kann. Wer mit steigenden Goldnotierungen rechnet, der sollte sich die Unternehmen des Goldminenindex NYSE Arca Gold BUGS Index, kurz HUI, genauer anschauen. In dem Index sind die größten Goldproduzenten vereint, die ihre Förderung traditionell nicht mit Vorwärtsverkäufen abgesichert haben. Abgesicherte Produzenten und ungehedgte finden sich dagegen im Philadelphia Gold and Silver Index (XAU) wieder.

Der größte Goldproduzent der Welt, Barrick Gold, fördert wie viele andere Minengesellschaften auch, natürlich noch mehr als das gelbe Edelmetall. So setzte sich der Umsatz von Barrick 2014 aus 8,7 Milliarden US-Dollar für Gold und 1,2 Milliarden Dollar für Kupfer sowie einen kleinen Rest (0,3 Milliarden Dollar) für andere Metalle zusammen. Die jüngsten Quartalszahlen waren solide. Der freie Cashflow betrug 866 Millionen Dollar (Vorquartal: 26 Millionen), der Gewinn je Aktie bereinigt bei elf Cent. Barrick produzierte 1,66 Millionen Unzen bei Kosten von 771 pro Unze (All-in).

Unser Favorit ist jedoch nicht Marktführer Barrick Gold, sondern Newmont Mining. Newmont erzielte im dritten Quartal 23 Cent je Aktie Gewinn (netto). Der Cashflow aus fortgesetzten Operationen stieg gegenüber dem Vergleichszeitraum von 328 Millionen auf 813 Millionen Dollar.

Mit ein paar Abstrichen ist auch aus unserer Sicht auch die Aktie von AngloGold Ashanti und die von Eldorado Gold einen Blick wert. Die weiteren Aktien der großen Goldminengesellschaften können Sie beruhigt unbeobachtet lassen (siehe Tabelle). 

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Zur boersianer.info-Ausgabe #43 geht’s hier:
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Foto: red; Grafik: red

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