24. Juli 2021

Das Spiel mit dem magischen Dreieck



HANKES HANDELSBILANZ | Achtung: 20 Prozent, 50 Prozent, 100 Prozent und 264 Prozent Gewinnchance! Na, eben auch ans Risiko gedacht? Lassen Sie uns nicht zocken, sondern gemeinsam investieren. Werden Sie ein Unternehmer.

Spielkarten

André Kostolany, ein lange verstorbener Börsenfuchs, sagte einmal: Der Broker liebt den Spieler, aber seine Tochter möchte er ihm nicht zur Frau geben. Offenbar gibt es immer mehr Spieler als Broker, so meine ersten Eindrücke von der Deutschen Anlegermesse in Frankfurt und aus Gesprächen in den vergangenen Tagen und Wochen. Nur die Spielregeln kennt offenbar kaum einer der Spieler (mehr).

Ulrich_W_HankeGerade erst hat das Nachrichtenportal Spiegel Online über einen 26-jährigen Ingenieur berichtet, der auf Kursdifferenzen beim Schweizer Franken gesetzt hat. 2.800 Euro steckte der Privatanleger in einen Contract for Difference, kurz CFD. Es kam der Frankenschock und der Ingenieur musste 280.000 Euro nachschießen. Er hatte sich verzockt. Der Hebel beim dem Geschäft lag bei 1:400. Das heißt, wenn die Wette des 26-Jährigen aufgegangen wäre, hätte er mindestens ein Jahr lang nicht arbeiten müssen – jetzt muss er wahrscheinlich Privatinsolvenz anmelden. Hier ist weder der CFD-Broker ein Schlitzohr, noch Mitleid angebracht.

Jetzt will ich Ihnen – weiß Gott – nicht den Spaß am Spielen verderben. Doch die Spielregeln, so lästig es manchmal ist, sollte jeder Mitspieler kennen. Das Spiel heißt magisches Dreieck und besteht aus Rendite, Risiko und Liquidität. Diese drei stehen immer in einem bestimmten Verhältnis zueinander. Das scheint so mancher Anleger, Spekulant und Spieler häufiger mal zu vergessen… Da gibt es den älteren, sehr sympathischen Herren, der schon länger im Ruhestand ist und eigentlich keine Aktien mehr im Depot haben, sondern lieber sein Geld für einen schönen Lebensabend verkonsumieren sollte. Doch er braucht den Kick.

Da ist der Anhänger von Nebenwerten, ja Kleinstwerten, der sich immer wieder wundert, warum seine Aktie urplötzlich stark steigt, um danach noch schneller abzustürzen. Solch ein Effekt kommt vom Pushen einer Aktie etwa durch unseriöse Börsenbriefe (auch Frontrunning genannt). Das ist nicht nur illegal und strafbar, es ist vor allem auch nur bei den kleinen Werten möglich, deren Kurse man mit wenig Kapital bewegen kann. Warum also bitteschön sein Geld nur in diese stecken? Es gibt auch tolle Standardwerte.

Da ist der Spieler, um ein drittes und letztes reales (!) Beispiel zu nennen, der gerne mit einem CFD eine ohnehin hochriskante Bergbauaktie, dessen Unternehmen noch Rohstoffe sucht anstatt fördert, hebeln will. Er könnte auch ins Spielcasino gehen. Zu jedem Spiel gehören Gewinner und Verlierer. Wer gewinnen will, darf aber nicht zocken, spekulieren, hebeln, sondern der muss überlegt investieren. Das kann mitunter langweilig sein, doch mit Essen und Geld spielt man nicht! Sehen Sie eine Aktie als das was sie ist: Ein Stück Unternehmen, das Ihnen nach dem Kauf der Aktie gehört. Sehen Sie sich als Unternehmer. In diesem Sinne, erfolgreiche Geschäfte

Ihr Ulrich W. Hanke, Chefredakteur boersianer.info

Zur neuen Ausgabe #18-19 geht’s hier: Kostenloser Download (pdf).

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