6. August 2020

Bereinigte Musterdepots



ANLAGESTRATEGIE | In unseren erfolgreichen Musterdepots machen wir einen Herbstputz. Welche Aktien rausfliegen und welche Titel wir neu aufgenehmen.

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Die Börsenweisheit „Sell in May and go away“ ist vielen Börsianern bekannt. Dass der Satz wie folgt weitergeht, wissen dagegen schon weniger: „Comeback on September“. Und noch weniger Börsianer ist bekannt, dass die guten Börsenmonate eigentlich nicht September, sondern Oktober bis April sind. Dazwischen gibt es in der Regel eine Sommerflaute. So war es zumindest in der Mehrheit der Fälle in der Vergangenheit. Wer also jetzt sein Depot aufräumen will, ist mit einem Herbstputz nicht schlecht beraten. Auch Ihr digitales Anlegermagazin boersianer.info hat seine erfolgreichen Musterdepots heute neuausgerichtet.

Da die Musterdepots auch bei der Social-Trading-Plattform Wikifolio mehr oder weniger gespiegelt werden und dort auch ein Handel am Samstagvormittag (schlechtere Spreads; nicht zur Nachahmung empfohlen!) möglich ist, haben wir also ganz aktuell, heute unsere Depots angepasst. Größere Veränderung gab es dabei bei unserem Großen Value-Portfolio. Dort haben wir die Aktien von K+S, Lanxess, ING Groep, Intesa San Paolo, St. Gobain, Intuitive Surgical und Toyota Motor verkauft. So haben wir Platz für aussichtsreichere Aktien von Vinci, Iberdrola, Intel, Swiss Re, Nissan Motor und NTT.



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Vinci ist ein französischer Baukonzern, der auch Autobahnen, Flughäfen und Tunnel bewirtschaftet und mit 185.000 Mitarbeitern sowie rund 39 Milliarden Euro Jahresumsatz Weltmarktführer im Baubereich ist. Die Aktie notiert unter anderem im EuroStoxx 50, wie auch Iberdrola und unsere Lieblinge Orange und Eni (bereits im Musterdepot enthalten). Vinci hat zuletzt auf dem Heimatmarkt geschwächelt (Umsatzrückgang von vier Prozent). Der weltweite Umsatz im dritten Quartal stieg jedoch um 2,8 Prozent auf 10,3 Milliarden Euro. Immerhin rund 41 Prozent des Umsatzes erzielt Vinci außerhalb Frankreichs. Nichtsdestotrotz wollen die Franzoden im Ausland weiter expandieren und das Jahr 2015 mit einem höheren Gewinn abschließen.

Iberdrola ist ein Stromerzeugungsunternehmen mit Sitz im spanischen Bilbao. Das Unternehmen beliefert rund 16 Millionen Kunden mit Strom, darunter mehr als neun Millionen in Spanien. Auch am Betrieb von fünf Kernkraftwerken ist Iberdrola beteiligt. Ähnlich wie auch Vinci konnte Iberdrola in den ersten neun Monaten des Jahres durch das Auslandsgeschäft mehr einnehmen, als im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn von Iberdrola legte um acht Prozent auf 1,9 Milliarden Euro zu, während der Umsatz um sieben Prozent auf 23,7 Milliarden Euro wuchs. Beide Aktie, Iberdrola wie auch Vinci, sind günstig bewertet.

boersianer-info-42-241015-cover-headDer Schweizer Rückversicherer Swiss Re an dem auch Börsenlegende Warren Buffett beteiligt ist, bedarf eigentlich keiner Vorstellung mehr. Hinter der Münchener Rück ist Swiss Re die Nummer Zwei weltweit und stark im Sachversicherungs- sowie Lebensversicherungsgeschäft vertreten. Mit dem Zukauf der Private-Equity-Gesellschaft Cinven, der Anfang 2016 abgeschlossen sein soll, gehen 900.000 Lebensversicherungs- und Renten-Policen aus Großbritannien in den Bestand von Swiss Re über. Die Börse hat diesen Deal, der nicht nur zur Diversifikation beiträgt, sondern auch den Reingewinn steigern wird, noch keine große Beachtung geschenkt. Daher könnte der Einstiegszeitpunkt jetzt besonders gut sein. Die geringe Eigenkapial-Rendite von 11,8 Prozent ist allerdings ein Störfaktor für uns, weshalb wir eine kleinere Position eingehen.

Die Aktie des Chipherstellers Intel aus den USA („Intel inside“) ist mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 2,8 kein Schnäppchen mehr, zumindest wenn man sie mit Aktien anderer Branchen vergleicht. Bleiben wir allerdings mehr oder weniger in der Branche und beim Dow-Jones-Index, ist Intel Cisco System vorzuziehen. Intel will in China in den kommenden Jahren bis zu 5,5 Milliarden Dollar investieren, um dort extrem kleine und schnelle Speicherchips zu produzieren. Die Aktie ist eine der wenigen, die wir aus dem US-amerikansichen Raum aktuell für attraktiv halten.

Aus Japan kann uns Nissan Motor begeistern. Am drittgrößten Autobauer der Welt sind sowohl Renault, als auch Daimler beteiligt. Die Produktpalette von Nissan überzeugt, während Konkurrent Toyota einmal mehr mit den Folgen einer großen Rückrufaktion zu kämpfen hat. Da die Nissan-Aktie deutlich günstiger bewertet ist, als das Papier von Toyota, tauschen wir diese Positionen kurzerhand.

Da wir nach wie vor von der Japan-Story überzeugt sind und der japanische Aktienmarkt Momentum aufzuweisen scheint, ergänzen wir das Value-Musterdepot noch um Aktien des Telefonkonzerns NTT (siehe: Nikkei: Die Sonne geht (noch) nicht unter in Japan). Eine Alternative zu Nissan kann übrigens auch die Aktie von Honda sein.

musterdepots-241015 Im Low-Volatility-Depot verabschieden wir uns vom Autozulieferer Leoni, bei dem wir keinen Stopp-Kurs gesetzt hatten und wie alle Börsianer von der Gewinnwarnung überrascht wurden. Ebenso Lanxess muss weichen.

Neu im Momentum-Depot ist die Aktie des Windanlagenbauers Nordex. Die Aktie weist nicht nur besagtes Momentum auf, befindet sich also im Aufwärtstrend, sie beinhaltet auch Wachstumsfantasie. Denn Nordex will die Windkrafttochter des spanischen Baukonzerns Acciona schlucken. Die Fusion lässt sich das TecDax-Unternehmen 785 Millionen Euro kosten. 366 Millionen Euro zahlt Nordex in bar, der Rest wird über eine Kapitalerhöhung von 16,1 Millionen neuen Aktien finanziert. Ist der Deal in trockenen Tüchern, wird Acciona mit 29,9 Prozent der größte Nordex-Aktionär sein. Da die Kapitalerhöhung eine Verwässerung darstellt und der kleine TecDax-Titel auch sonst Risiken birgt, kaufen wir nur eine kleine Position für unser Musterdepot.

Natürlich schichten wir auch bei der Fonds-Auswahl von Zeit zu Zeit um. Wir haben dort nun die Cashquote reduziert und in einen Emerging-Markets-Fonds investiert. Da das Anlageuniversum bei Wikifolio leider immer noch begrenzt ist, haben wir uns gegen den Fonds von Mark Mobius entscheiden und mit dem DWS Emerging Markets (ISIN: DE0009773010) vorliebnehmen müssen. Sollte die Wette steigender Aktienkurse in den Schwellenländer jedoch aufgehen, liegen wir sicher auch mit diesem Fonds nicht falsch.


Zur kompletten boersianer.info-Ausgabe #42 geht’s hier:
Kostenloser Download (pdf)
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Siehe auch unsere Wikifolios: www.wikifolio.com/de/profile/boersianerinfo.

Grafik: red (2)

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