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Georges Farre: »Gestiegenes Interesse an Staatsanleihen aus Schwellenländern«

GASTKOMMENTAR

GASTKOMMENTAR | Sollten Investoren ihre Portfolios mittels Schwellenländeranleihen in lokaler Währung diversifizieren? Georges Farre, Head of Emerging Markets – Fixed Income, La Française, gibt in seinem Gastkommentar die Antwort auf diese Frage.

Von Georges Farre, La Française

Wir sehen ein gestiegenes Interesse unter Investoren an Staatsanleihen aus Schwellenländern in lokaler Währung. Seitdem die USA im Jahr 2013 das Ende des Quantitative Easings angekündigt hatten, mussten wir fast vier Jahre lang erleben, dass Kapital aus den Anleihemärkten abgezogen wurde und lokale Währungen und Zinsen unter starken Druck geraten sind.

Innerhalb der vergangenen Jahre hat sich die wirtschaftliche Situation in den Schwellenländern jedoch erholt und gestärkt. Die Wachstumsprognosen für das Jahr 2017 betragen mehr als vier Prozent (Quelle: IMF). Die Schwachstellen und Anfälligkeiten von früheren Zeiten scheinen nun der Vergangenheit anzugehören. Die Reserven sind hoch und der Finanzierungsbedarf wird weitgehend durch lokale Währungsanleihen abgedeckt. Dazu gehören nicht nur kurzlaufende Treasury-Bills, sondern auch langfristige Anleihen mit einer Laufzeit von bis zu 30 Jahren. Wir schätzen den Markt von Schwellenländer-Staatsanleihen (Lokalwährung) auf 8.000 Milliarden US-Dollar, zehnmal größer als die Auslandsverschuldung der Schwellenländer (Quelle: J.P. Morgan).

Die Zentralbanken in den Schwellenländern agieren seit langem nach einer strengen geldpolitischen Orthodoxie und mit großer Unabhängigkeit. Ihre Kommunikation spiegelt die der US-Notenbank Fed oder EZB wider, und ihre Glaubwürdigkeit im Umgang mit der Geldpolitik ist ein weiterer Vorteil für lokale Währungsanleihen in den Emerging Markets.

Der Markt ist sehr liquide. Die nominalen und realen Renditen sind beträchtlich: 10 Prozent in Russland, 12 Prozent in Brasilien, 7 Prozent in Indonesien und in Mexiko (im März 2017) in einem Umfeld von sinkenden Preisen nach der Inflationsspitze, die mit einer starken Abwertung dieser Währungen einherging. Lokale Währungen selbst bieten auch einen guten Wert. Die Anwendung der häufig verwendeten Analyse von tatsächlichen effektiven Wechselkursen (d.h. die preisbereinigte Differenz der Kaufkraft mit ihren wichtigsten Handelspartnern) lässt vermuten, dass lokale Währungen weiterhin ein beträchtliches Aufwärtspotenzial bieten.

Diese Strategien können in der Erwartung auf hohen Kapitalzuwachs und ein hohes „Carry“ dank der Zinssätze implementiert werden. Ein ausreichender Puffer ist vorhanden, um jegliche Volatilitätsschocks abfangen zu können.

Seit mindestens vier Jahren sind Rentenfonds in der Assetklasse Emerging Markets untergewichtet. Die Notwendigkeit, zumindest zu einer neutralen Gewichtung zurückzukehren, wird automatisch die Preise dieser Vermögenswerte steigen lassen. Wie wir schon betont haben, behalten die Vermögenswerte erhebliches Aufwärtspotential.

Aus diesen Gründen sind wir der Meinung, dass Investoren von der Diversifizierung ihres Portfolios durch Staatsanleihen aus Schwellenländern in lokaler Währung profitieren können.

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