HANKES BÖRSENBRIEF – ANLEGEN WIE DIE BÖRSENSTARS

Das postfaktische Zeitalter ist eine Jahrhundertchance für clevere Anleger

HANKES MEINUNG

HANKES MEINUNG | Haben Sie schon davon gehört? Wir befinden uns im postfaktischen Zeitalter! Ob bei Facebook oder am Stammtisch – jedermann hat zu allem und jedem eine Meinung und ist selbstverständlich Experte – dabei ersetzen Emotionen die nötigen Fakten. Darum heißt das Phänomen auch postfaktisch.

Ulrich W. Hanke
Börsenstratege Ulrich W. Hanke
Ein Beispiel: Sie wissen, es sind -10 Grad draußen, weil Sie auf ein Thermometer geschaut haben. Sie können mit Recht sagen, es ist kalt draußen, Sie haben Fakten. Nicht so in diesem Fall: Es sind +10 Grad draußen, Sie gehen allerdings ohne Jacke vor die Tür und empfinden: Es ist kalt. Sie sagen: Es ist sicherlich, -10 Grad – so kalt wie mir ist. Letzteres ist das, was wir fast ausschließlich nicht nur in Sozialen Medien sondern auch zunehmend in der Lügenpresse berichtet bekommen.

Für Journalisten und Politiker selbst ist das postfaktische Zeitalter – gefühlt – besonders dramatisch, sehen sie darin doch – und das oft ausschließlich – die Ursache für das Erstarken der AfD, den Wahlsieg Donalds Trumps und auch den Brexit. Mir scheint es eher so, also ob wir einfach nur am Gipfel einer gesellschaftlichen Bewegung angekommen sind, bei der Schein wichtiger ist als Sein. Aussehen wichtiger als Wissen. Ein Abschluss wichtiger als Können.

Mich beschäftigt dabei vor allem, was das alles für die Finanzmärkte bedeutet.

Das Schöne ist, wenn Wissen so in den Hintergrund tritt, dann ist Wissen umso mehr wert. Mit anderen Worten wenn die Mehrheit der Menschen (oder auch der Anleger) keine Ahnung hat, ist Wissen nicht nur Macht, sondern auch bares Geld wert (und sollte übrigens auch nicht frei Haus geliefert werden). Das stimmt mich doch positiv für die Aktienauswahl. Soll heißen, lassen Sie andere Anleger ihr Geld durch Charttechnik, CFDs oder die „Investition“ in Whiskey verbrennen. Mit Aktien – so langweilig das sein oder klingen mag – werden Sie dagegen langsam reich. Genauso machen es – jetzt mal ein Fakt – die erfolgreichsten Investoren der Welt.

Mir kommt da immer eine Herde von Kühen in den Sinn, die völlig planlos umherirrt. Doch jetzt gibt es bei all den Planlosen ein Dilemma… Bleiben wir etwa beim Beispiel Charttechnik. Wenn die Mehrheit der Anleger der Meinung ist, aus der simplen Deutung einer Kurve, zu der nun wirklich jeder in der Lage wäre, Rückschlüsse auf die zukünftige Kursentwicklung ziehen zu können, ja dann. Dann könnte sich hier die Prophezeiung selbst erfüllen. Deshalb lasse ich beispielsweise die Charttechnik nicht völlig außer Acht. Insbesondere die 200-Tage-Linie – die als Verkaufssignal gilt.

Übrigens, wie mir jüngst ein Sozialforscher erklärt hat, macht es keinen Sinn, Menschen die etwa an Verschwörungstheorien glauben, von der Wahrheit zu überzeugen. Im Gegenteil – es gibt Studien nach denen Verschwörungstheoretikern nach der Darlegung der eindeutigen Gegenargumente nur noch mehr an ihre Theorie geglaubt haben. Wer der Meinung ist, die Amerikaner wären nicht auf dem Mond gelandet, 9/11 wäre inszeniert worden und der böse Staat will Bargeld abschaffen, um Negativzinsen in Höhe von 50 oder gar 100 Prozent durchzusetzen, der soll das mal schön weiter glauben. Ich diskutiere lieber mit intelligenten Investoren – wie sie schon einst Benjamin Graham betitelte –, welche Aktien erfolgsversprechend sind und welche nicht.

Haben Sie es gemerkt? Ich habe selbst kaum Fakten benutzt und mich stattdessen meinen Emotionen völlig hingegeben. Ganz im Sinne des Postfaktischen – dem Wort des Jahres 2016 und vermutlich auch des Jahres 2017, 2018, 2019, 2020… Hilfreiche Fakten bekommen Sie in meinem Börsenbrief,

Ihr Börsenstratege Ulrich W. Hanke

Mehr Kommentare und Informationen finden Sie unter:
www.boersianer.info – Hankes Börsenbrief – Anlegen wie die Börsenstars

postfaktisch-wort-des-jahres-2016-72dpi

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*